62 Kerzen leuchten für die toten Engel von Laberweinting

14.12.2011 (rp) Es war ein berührendes Gedenken an diesem Spätnachmittag des dritten Adventsonntags, dem weltweiten Gedenktag der toten Kinder: Nicht nur wegen der 62 brennenden Kerzen, die mit den Namen der hier Ende des Zweiten Weltkrieges verstorbenen Säuglinge polnischer, ukrainischer, russischer und ungarischer Mütter und Väter versehen waren und die den dunklen Saal der ehemaligen Ammer-Brauerei in Laberweinting erleuchteten. Dieser Saal wurde für viele Kinder Geburtsstätte und Sterbeort in einem Zeitraum von August 1944 bis April 1945.
Rund hundert Besucher verfolgten mit großer Betroffenheit und Anteilnahme die Reden von Rainer Pasta, dem Historiker Jürgen Rettberg und vor allem die bewegende Ansprache der Generalkonsulin der Republik Polen, Elzbieta Sobotka. Sie gedachten der Vorkommnisse im Entbindungs- und Kinderheim Laberweinting in diesen letzten neun Monate des Krieges und der Nazi-Diktatur. Wie die polnische Diplomatin betonte, gehe es darum, den toten Engeln ihren Namen und ihre Würde zurückzugeben. „Jedes Kind“, so sagte sie, „ist ein Geschenk Gottes, ein Glück für uns alle und ein Stück Hoffnung auf eine bessere und friedliche Zukunft.“
„Verfaulen kann man die ganze Brut auch nicht lassen.“ Mit diesem Satz aus dem Schreiben des damaligen Bürgermeisters von Laberweinting vom 22. Juli 1944 illustrierte der Historiker Jürgen Rettberg die ganze menschenverachtende Einstellung der Nazi-Diktatur von ganz oben bis ganz unten. Im ganzen Reich seien „rassisch unerwünschte Kinder“ in solchen „Pflegestätten“ systematisch und absichtlich ausgehungert worden. Bisher sind rund 400 dieser Heime für das Bundesgebiet, 31 für Bayern bekannt – davon nur wenige näher erforscht. Über viele liegt aber noch immer der Mantel des vergessens – so auch in den ehemaligen Nachbarlandkreisen Dingolfing, Kelheim, Regensburg oder Bogen.
Für die Zustände im „Kinderheim“ Laberweinting machte Jürgen Rettberg – mit Bezug auf die Untersuchungsergebnisse der Amerikaner - vor allem den NS-Kreisleiter Eduerd Mendler und dessen Vize Dr. Emil Bassmann – auch medizinischer Leiter des Heimes - verantwortlich. Beide hätten schwere Schuld auf sich geladen. Auch der damalige Bürgermeister hätte wohl vieles zum Besseren wenden können, wenn er sich auf seine Dienstpflichten besonnen hätte. Die Bauern der Umgebung – so die Zeugenaussage der Hebamme - hätten gerne die osteuropäischen Frauen samt ihren Babys zurückgehabt, dies sei aber von den verantwortlichen Nazi-Größen Mendler und Bassmann „aus rassehygienischen Gründen“ abgelehnt worden.
Bild:
Die 62 Kerzen mit den Namen und Lebensdaten der toten Kinder von Laberweinting
Foto: Pasta
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