Wenn es doch schon endlich Abend wäre …

23.12.2011 (jh) Der Radiowecker startet und der Sender überträgt gerade Weihnachtslieder. Aufstehen. Es ist Heilig Abend! Endlich. Schon seit Tagen fiebert Simon auf diesen Tag hin. Es ist für die Familie ein Tag, der mit sehr viel Tradition und immer wiederkehrenden Abläufen verbunden ist. Ja, Weihnachten wird in Simons Familie noch mit sehr viel Tradition gefeiert.
Draußen ist es noch etwas duster. Nachdem er sich im Bad seine allmorgendlichen Rituale hinter sich gebracht hat, setzt er sich gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Bruder an den großen Esszimmertisch. Mama hat bereits das Frühstück vorbereitet. Papa war schon im Stall und hat die Tiere versorgt. Für Simons Familie ist das gemeinsame Frühstück am Wochenende oder an Feiertagen wichtig – wenigstens an diesen Tagen der Woche gemeinsam den Tag zu beginnen.
Das Thema an diesem Morgen: natürlich der Heilig Abend; was alles noch zu erledigen ist, wer für was zuständig sein wird. Im Mittelpunkt steht der Christbaum. Simon und sein Bruder waren gemeinsam mit dem Vater schon vor ein paar Tagen im eigenen Wald gewesen und haben sich dort eine schöne Fichte ausgesucht. Nein, keine Nordmanntanne, kein Plantagenbaum, sondern eine schlichte Fichte. Sie steht schon in der Garage und wartet, bis sie in die Stube kommt.
Während Simon mit dem Papa vom Speicher den Christbaumständer holt, und der Fichte damit einen festen Stand gibt, fahren sein Bruder und seine Mama noch in die Stadt. Beim Bäcker und beim Metzger wollen sie vorbeischauen und dort den restlichen Einkauf erledigen. Alles andere wurde schon frühzeitig besorgt, befindet sich in der Speisekammer oder in der Gefriertruhe. Bereits am Vormittag beginnt die Familie mit dem Schmücken des Baumes, damit aus einer ganz normalen niederbayerischen Fichte ein wunderschöner Christbaum wird.
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Der Weihnachtsbaum (je nach Region auch als Christbaum oder Tannenbaum bezeichnet) ist ein Nadelbaum, der zur Weihnachtszeit in Kirchen, Wohnungen und in Ortschaften aufgestellt wird.
Geschmückt wird der Weihnachtsbaum mit Lichterketten, Kerzen, Glaskugeln, Lametta, Engeln oder anderen Figuren. Dieser Weihnachtsbrauch verbreitete sich im 19. Jahrhundert von Deutschland aus über die ganze Welt.
Die Aussage, dass die erste urkundliche Erwähnung eines Christbaumes aus dem Jahre 1419 stammt, ist weit verbreitet, kann allerdings mittlerweile nicht mehr durch Quellen belegt werden. Die ersten Aufzeichnungen über den Christbaum als einen allgemein üblichen Gebrauch stammen aus dem Jahre 1605.
Um 1830 wurden die ersten Christbaumkugeln geblasen. Nach und nach wurde die Sitte der Stubenbegrünung auch beim gewöhnlichen Volk beliebt und diese holten Zweige und „Dannenreisig“ ins Haus. Der Lamettabrauch wurde 1878 als Neuerung in Nürnberg entwickelt. Als Christbaumbehang symbolisiert Lametta nach das Aussehen von glitzernden Eiszapfen. |
Auch wenn die Handgriffe jedes Jahr dieselben sind und jeder der Familie weiß, was er zu tun hat, so ist es für Simon immer wieder ein Erlebnis der besonderen Art: gemeinsam etwas schaffen, gemeinsam dafür sorgen, dass am Abend der Baum in voller Pracht in der großen Stube steht. Vater sucht Zweig für Zweig aus, um die einzelnen Kerzen der Lichterkette platzieren zu können. Simon und sein Bruder holen die Christbaumkugeln aus den Karton und reichen sie ihrer Mutter, die sie dann an den Zweigen befestigt. Früher wurde noch Lametta auf die Zweige gelegt. Doch das kennt Simon nur noch aus den Erzählungen der Eltern. Fertig geschmückt wird er noch schnell von allen gemustert, ob tatsächlich alles passt und dann wird die Stube verlassen. Mama ist die letzte. Sie dreht den Schlüssel an der Tür, zieht ihn heraus und lässt ihn in ihrer Tasche verschwinden. Bis zum Abend darf niemand mehr hinein.
Nach dem an diesem Tag etwas verspätetem Mittagessen folgt eine lange Zeit. Zumindest kommt sie Simon und seinem Bruder so lange vor. Endlich meldet sich der Vater. Die ganze Familie unternimmt jetzt einen kurzen Waldspaziergang. Kurz auch schon deshalb, weil unmittelbar neben dem Hof der Wald beginnt. Wenn es neu geschneit hat, ist es eine wunderschöne Landschaft. Hin und wieder lassen die Spuren im Schnee erkennen, dass im Wald viele Tiere leben. Und Simon fragt sich jedes Jahr, ob die wohl auch Weihnachten feiern?
Wieder zuhause angekommen, decken die Kinder den Tisch. Traditionsgemäß gibt es am Heiligen Abend bei Simons Familie Bratwürste mit Sauerkraut. Im Hintergrund ertönt aus der Stereoanlage Weihnachtsmusik. Der Heilig Abend ist also schon voll im Gange. Das Abräumen des Tisches läuft an diesem Abend sehr flott ab, denn die Spannung darauf, was sich hinter der verschlossenen Wohnzimmertür und unter dem Christbaum befindet, wächst von Minute zu Minute. Endlich dreht sich der Schlüssel um, die Tür geht auf. Endlich ist Bescherung.
Im Archiv hinterlegt:
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