Die Grünen rechnen mit der Unterstützung der anderen Parteien

30.07.2010 (jh) Der Straubinger Grünen-Stadtrat Erhard Grundl hatte am Montag im Stadtratsgremium einen Dringlichkeitsantrag eingereit. Ziel war es, dass die Bundesregierung am Ausstieg an der Atomindustrie festhält und den Betrieb von Isar 1 in Ohu/Landshut nicht fortsetzt. Mit knapper Mehrheit hatte die CSU/FDP diesen Antrag abgelehnt und will sich erst im September mit der Thematik beschäftigen. In Landshut gibt es zu diesem Thema eine Fortsetzung. Am Freitagabend beschäftigte sich dort der Stadtrat mit diesem Thema. Auch im Kreistag müssen sich die kommunalen Mandatsträger mit der Thematik auseinandersetzung. CSU, SPD, ÖDP und Grüne gehen in die Offensive.
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Hintergrund: Die Bundesregierung plant nach eigenen Verlautbarungen eine Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke um bis zu 30 Jahre. Das dazu erforderliche Gesetzgebungsverfahren soll nach einer Ankündigung der Bundeskanzlerin kurz nach der Sommerpause des Bundestags abgeschlossen werden. Wenn der Kreistag in diesem Gesetzgebungsverfahren Gehör finden will, muss er sich umgehend zu der Problematik äußern.
Die Resolution ist eine Stellungnahme des Landkreises Landshut zu den Bestrebungen, die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke zu verlängern. Der Landkreis Landshut möchte aufgrund seiner Betroffenheit durch das Atomkraftwerk Isar 1 mit der Resolution Einfluss auf die Meinungsbildung im Gesetzgebungsverfahren zur Laufzeitverlängerung nehmen.
Die Resolution findet ihre Begründung in dem Gefährdungspotenzial, welches für den Landkreis Landshut von dem Atomkraftwerk Isar 1 ausgeht. Die Resolution beschränkt sich auf die Laufzeitverlängerung des Atomkraftwerkes Isar 1, in dessen Gefährdungsbereich mehrere Gemeinden des Landkreises Landshut liegen. Insgesamt leben weit über 100.000 Einwohner in einem Umkreis, der als der am meisten gefährdete gilt.
Das 1979 in Betrieb gegangene Atomkraftwerk Isar 1 genügt nicht mehr den heute an einen Neubau zu stellenden Sicherheitsanforderungen. Insbesondere muss auf den mangelnden Schutz gegen den Absturz von Flugzeugen und gegen terroristische Angriffe hingewiesen werden. Mindestens in diesen beiden Punkten hat sich die Gefährdungseinschätzung seit der Inbetriebnahme so wesentlich erhöht, dass man von einem Wegfall der ursprünglichen Beurteilungsgrundlage ausgehen kann.
Das vor 31 Jahren in Betrieb genommenen Atomkraftwerk Isar 1 ist wie jede technische Anlage mit zunehmender Betriebsdauer auch störanfälliger. Das beweist die Störanfälligkeit der älteren deutschen Atomkraftwerke, die aus diesem Grund bereits vom Netz genommen werden mussten. Angesichts der besonderen Gefährdungssituation des Landkreises Landshut ist eine weitere Gefahrzeitverlängerung und damit Erhöhung des Gefährdungspotenzials des Atomkraftwerkes Isar 1 nicht zu verantworten.
Mit dem Abriss des Atomkraftwerks in Niederaichbach und jahrelangen Spitzenplätzen vieler Landkreisgemeinden in der Solarbundesliga steht der Landkreis Landshut wie kein anderer Landkreis als Pionier für die Energiewende da. Diese Position soll ausgebaut werden, um unseren Landkreis als Standort für eine menschenwürdige Energiegewinnung der Zukunft attraktiv zu machen. |
Parteiübergreifend wollen die Grünen im Kreistag eine Resolution, welche von namhaften Mitgliedern der CSU-Fraktion im Stadtrat von Landshut formuliert wurde, zur Abstimmung einbringen. Nachdem Hans Bauer, Sprecher der CSU-Fraktion im Landkreis, die Initiative seiner CSU-Freunde im Stadtrat nicht aufgreifen wollte, sprangen nun die Grünen ein. Ähniche Anträge werden auch von der SPD und der ÖDP erwartet.
Die Grünen appellieren an Landrat Eppeneder, dass man gut damit fahre, Verträge einzuhalten. Jedoch wolle die Bundesregierung nach Ansicht fün Grünen-Sprecher Michael Vogt die Verträge mit der Atomindustrie über die Strommengen und Laufzeiten der Atomkraftwerke aufweichen. Dabei sollten auch ältere Anlagen länger am Netz bleiben dürfen, welche modernen Sicherheitsansprüchen trotz aller Nachrüstungen nicht mehr gerecht werden. Der klassische Fall sei das Atomkraftwerk Isar 1.
Nach Ansicht von Vogt käme niemand käme auf die Idee, heute nocheinmal so ein Kraftwerk zu bauen. Selbst nicht mit allen Nachrüstungen. "Die Technologie ist einfach veraltet," untermauert der Grünen-Fraktionssprecher. Und er drückt es an Hand eines Beispiels aus: "Auch ein Goggomobil mit Überrollbügel und Kuhfänger bleibt ein Goggomobil, an dem der Zahn der Zeit nagt und welches nicht als Zukunftstechnologie durchgeht."
Die Verträge der Rot-Grünen Regierung mit der Atomindustrie würden vorsehen, dass Isar 1 im Jahr 2011 vom Netz geht. Damit sei die Atomindustrie bereits einverstanden gewsen und ihre Rechte und Verdienstmöglichkeiten gewahrt gesehen. Dabei sollte es nach Auffassung Vogts auch bleiben.
Die Grünen beantragen daher, im Kreistag eine Resolution zu beschließen, wonach die Bundeskanzlerin, der Bundesminister
für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, die Fraktionen im Deutschen Bundestag und der bayerische Ministerpräsident die derzeitig geltende Laufzeit des Atomkraftwerkes Isar 1 nicht zu verlängern. In jedem Fall sei bei einer Verlängerung der Laufzeit von kerntechnischen Anlagen eine Einzelfallprüfung unter besonderer Betrachtung der sicherheitstechnischen Voraussetzungen durchzuführen.
Im Archiv hinterlegt:
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